Strategie und Kosten: Wie und wann Sie Wertpapiere kaufen und verkaufen

Notwendigkeiten bei verschiedenen Strategien

Sie sind vor einigen Jahren in den Aktienmarkt eingestiegen und stehen nun vor der ersten Optimierung Ihres Portfolios? Sie haben sich für eine bestimmte Strategie entschieden und fragen sich nun, wie diese konsequent umgesetzt werden kann? Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen.

Wertpapiere kaufen und verkaufen: Das Wichtigste in Kürze

  • Wertpapiere werden gekauft, wenn Geld angelegt werden muss und ein Wertpapier die Bedingungen dafür erfüllt
  • Wertpapiere werden verkauft, wenn Geld benötigt wird oder ein Wertpapier durch ein besseres ersetzt werden kann
  • Wenn Sie Wertpapiere kaufen und verkaufen, fallen Transaktionskosten an
  • Beim Verkauf fallen Steuern auf den Kursgewinn an
Inhaltsverzeichnis

    In diesem Beitrag soll es um konkrete Anlässe für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren und dessen optimale Umsetzung gehen. Wertpapiere werden gekauft, wenn Geld angelegt werden muss und ein Wertpapier dafür die durch den Anleger individuell festgesetzten Bedingungen erfüllt. Dabei handelt es sich insbesondere um das ausgemachte Chance/Risiko Verhältnis.

    Wertpapiere werden dagegen verkauft, wenn entweder Geld aus einem Anlageportfolio benötigt wird oder sich ein anderes Wertpapier bzw. eine andere Geldanlage als die bessere Option darstellt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Einbruch am Aktienmarkt erwartet wird und deshalb Positionen abgebaut werden und die Liquidität und in Geldmarktfonds bzw. in Tagesgeldkonten umgeschichtet wird

    1. Strategie: Fundamental oder technisch?

    Wann genau sie aus strategischen Überlegungen heraus Wertpapiere kaufen und verkaufen sollten, hängt trivialerweise von ihrer Strategie ab. Dabei ist zwischen fundamentalen und technischen Anlagen bzw. Handelsstrategien zu unterscheiden. Fundamental orientierte Anlagestrategien orientieren sich an Bilanzkennzahlen, der Konjunkturentwicklung, dem Zinsniveau und weiteren realen ökonomischen Faktoren. > Aktienhandel lernen

    Technische Handelsstrategien betrachten dagegen ausschließlich den Kursverlauf der Märkte und versuchen, daraus Rückschlüsse auf die zukünftige Kursentwicklung zu ziehen. Viele Anleger kombinieren auch beide Ansätze und betrachten zum Beispiel eine gute fundamentale Ausgangslage als notwendige, und eine zusätzlich günstige technische Situation als hinreichende Bedingung für den Kauf von Wertpapieren.

    2. Beispiel: Portfolio bei Dividendenstrategie optimieren

    Ein sehr einfaches Beispiel für fundamentale Anlagestrategien ist die Dividendenstrategie. Dabei wird das anzulegende Vermögen initial auf eine bestimmte Anzahl von Aktien mit hoher Dividendenrendite aufgeteilt. Die Dividendenrendite für das jeweils nächste Geschäftsjahr ergibt sich aus der Division des aktuellen Kurswertes einer Aktie durch die angekündigte Dividendenausschüttung. Notiert eine Akte z. B. bei 20 € und hat der Vorstand eine Dividende in Höhe von 1,00 € angekündigt, liegt eine Dividendenrendite in Höhe von 5,0 % vor.

    In festgelegten Intervallen – zumeist nach dem Ende einer Dividendensaison – wird das Portfolio einer Dividendenstrategie umgeschichtet. Hat sich die Dividendenrendite einiger im Portfolio befindlichen Aktien deutlich verringert, werden diese gegen andere Aktien ausgetauscht. Die Dividendenrendite einer Aktie kann sich zum einen durch die Kürzung der Dividende, zum anderen (deutlich häufiger) durch einen deutlichen Anstieg des Kurswertes verringern. Merke: Nicht die kalkulatorische Rendite im Bezug zum Einstiegskurs, sondern die bei einer Freisetzung des im Kurswert gebundenen Kapitals maximal erzielbare Dividendenrendite ist maßgeblich.

    Strategie und Kosten Dividendenstrategie-Allianz-Global

    Viele Anleger setzen auf Dividenden statt Zinsen

    Dividendenstrategien werden seit Jahrzehnten angewandt, gewinnen aber im Zuge der anhaltenden Niedrigzinsphase an den Finanzmärkten seit einiger Zeit wieder an Bedeutung. Da die Anlage in sicheren Anleihen wie zum Beispiel Bundeswertpapieren nahezu gar keine oder sogar negative Renditen abwirft, orientieren sich Investoren zum Aktienmarkt. Die durchschnittliche Dividendenrendite großer Leitindices (Was sind Dividenden?) liegt häufig um Größenordnungen höher als die Rendite deutscher Staatsanleihen.

    3. Beispiel: Verkauf bei Durchbruch unter 200-Tage-Linie

    Technisch orientierte Investoren nutzen Überkreuzungen der 200-Tage-Linie zum Ein- bzw. Ausstieg aus dem Markt. Die 200-Tage-Linie ist ein einfacher gleitender Durchschnitt der Kurse eines Marktes der zurückliegenden 200 Handelstage. Gleitende Durchschnitte folgen dem Markttrend – im Falle der 200-Tage-Linie mit einem recht großen und gegen kurzfristige Schwankungen immunen Abstand.

    Fällt der Markt von oben unter die 200-Tage-Linie, gilt dies als Ausstiegssignal. Überkreuzt der Markt dagegen von unten die Linie, gilt dies als Einstiegssignal. Anleger sollten Kreuzungen der 200er-Linie ausschließlich auf Basis von Wochenschlusskursen betrachten und keinesfalls die kurzfristige Über- bzw. Unterschreitung innerhalb einer Handelswoche oder gar innerhalb eines Handelstages als Investmentsignal betrachten.

    4. Portfolio gegen Kursverluste absichern – Praxisbeispiel

    Immer wenn Sie Wertpapiere kaufen und verkaufen, fallen dabei Transaktionskosten an (siehe letzter Abschnitt). Viele Anleger möchten ihr Portfolio gar nicht grundsätzlich umschichten, sondern lediglich vorübergehend gegen befürchtete Kursverluste absichern. Das macht zum Beispiel Sinn, wenn die Kurse in relativ kurzer Zeit deutlich gestiegen sind und mit einer Korrektur zu rechnen ist. Die Absicherung kann über Optionsscheine erfolgen.

    Um Optionsscheine handeln zu können, müssen Sie die Finanztermingeschäftsfähigkeit bei ihrer Bank beantragen. In der Praxis müssen sie dafür zusätzliche Risikobelehrungen zur Kenntnis nehmen. Die Absicherung von Wertpapierportfolios und Optionsscheinen bietet sich immer an, wenn der Markt in der letzten Zeit relativ ruhig gelaufen ist. Der Grund: Ein wesentlicher Preisfaktor von Optionsscheinen ist die Marktvolatilität. Steigt diese an, verteuert sich auch die Optionsprämie, sodass der Versicherungsschutz teurer wird.

    Ein Beispiel für die Absicherung einer Aktie mit einem Optionsschein. Eine Aktie notiert bei 50 €. Sie befürchten eine Korrektur und kaufen deshalb einen Put-Optionsschein mit einem Ausübungspreis von 50 € für 1,5 €. Der Optionsschein notiert damit direkt am Geld. Fällt der Kurs der Aktie, wird der Optionsschein an Wert hinzugewinnen. Zum Fälligkeitstag des Optionsscheines entspricht sein Wert der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Kurs der Aktie, mindestens jedoch 0,00 €. Notiert die Aktie bei 44 €, ist der Optionsschein am Fälligkeitstag 6 € wert.

    5. Risiko im Depot zum 55. Geburtstag reduzieren – so kann es gehen

    Ein häufiger Anlass für Umschichtungen im Portfolio ist das Erreichen des 55. oder 60. Lebensjahres. Je näher der Renteneintritt rückt, desto kritischer sehen Anleger Kursrisiken. Es gibt Möglichkeiten, das Gesamtrisiko des Portfolios im Zeitverlauf zu reduzieren. Eine davon besteht in der Beimischung von Gold.

    Gold-Kursentwicklung-1925

    Gold gilt als Versicherung für andere Anlagen

    Gold gilt nicht nur, wie in der obigen Darstellung der Deutschen Börse Commodity GmbH zu sehen, als extrem wertbeständig und Schutz gegen Krisen und Inflation in der langfristigen Perspektive. Das Edelmetall gewinnt typischerweise auch an Wert, wenn die Risikoaversion an den Finanzmärkten zunimmt.  Das ist häufig der Fall, wenn die Kurse (stark) fallen. Das bedeutet, dass Gold in gewissem Umfang einen Versicherungsschutz gegen fallende Kurse darstellt.

    6. Ordertypen im Wertpapierhandel

    Im Wertpapierhandel stehen Ihnen verschiedene Ordertypen zur Verfügung. Die wichtigsten Eigenschaften der am häufigsten genutzten Orderarten soll hier kurz skizziert werden.

    Einfache Marktorder – Billigst/Bestens

    Bei Wertpapierkäufen heißt eine einfache Marktorder „Billigst“, bei Wertpapierverkäufen wird sie als „Bestens“ bezeichnet. Sie erteilen eine Order zum Kauf bzw. Verkauf und akzeptieren jeden an der Börse ermittelten Kurs. Sie sollten zumindest bei Nebenwerten aus der zweiten und dritten Reihe dringend davon absehen, unlimitierte Marktorders zu erteilen.

    Limit Order – vor zu großen Kurssprüngen schützen

    Besser geeignet sind Limit Orders: Bei einer Kauforder platzieren Sie ein Limit oberhalb des aktuellen Kurses und verhindern damit eine Ausführung der Order oberhalb des Limits. Bei einer Verkaufsorder verhält es sich umgekehrt: Hier vermeiden Sie mit einem Limit unterhalb des Kurses, dass die Veräußerung zu einem zu niedrigen Kurs erfolgt.

    Stop-Order und Stop-Limit-Order

    Eine Stop Order ist im Moment ihrer Erteilung noch gar nicht aktiv. Bei einer Kauforder (Stop Buy) wird ein Kurs oberhalb des aktuellen Marktkurses festgesetzt, bei dessen Erreichen automatisch eine Kauforder ausgelöst wird. Bei einer Stop Limit Order wird diese Kauforder zusätzlich mit einem Limit verbunden, das eine Ausführung zu einem zu hohen Kurs verhindert. Bei Verkaufsaufträgen wird über eine Stop Sell Order ein Kurs unterhalb des aktuellen Kurses definiert, bei dessen Erreichen eine gegebenenfalls limitierte Verkaufsorder ausgelöst wird.

    Stop Loss und Trailing Stop

    Mit einem Stop Loss sichern Sie bestehende Wertpapierpositionen gegen zu starke Kursverluste ab. Ein Stop Loss definiert einen Kurs unterhalb des aktuellen Kurses, bei dessen Erreichen automatisch eine (zumeist unlimitierte) Marktorder erteilt wird. Entwickeln sich die Kurse eine günstige Richtung, kann das Stop Loss Level im Zeitverlauf angepasst werden. Alternativ kann ein Trailing Stop platziert werden, das diese Anpassung in festgelegten Intervallen automatisch vornimmt.

    Ordertypen-Tradegate-Kursverlauf

    Ordertypen und Kursverlauf

    7. Kosten und Besteuerungseffekte im Wertpapierhandel

    Wenn Sie Wertpapiere kaufen und verkaufen, fallen Kosten an: Diejenigen des Brokers und diejenigen der Börse. Broker verlangen zumeist eine aus mehreren Komponenten zusammengesetzte Gebühr. Marktüblich sind zum Beispiel Grundgebühren in Höhe von 5 € sowie Provisionen in Höhe von 0,25 %, wobei häufig eine Mindest- und eine Höchstgebühr von zum Beispiel 10 € und 50 € festgelegt werden. Zusätzlich verlangen viele Broker Handelsplatzentgelte, mit denen die Börsengebühren meistens, aber nicht immer abgegolten sind.

    Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen auch Besteuerungseffekte: Haben Sie eine Aktie nach dem 1.1.2009 angeschafft, fällt der realisierte Kursgewinn unter die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Abgeltungssteuer wird direkt auf Bankebene einbehalten und abgeführt bzw. dem Sparerfreibetrag zugeschrieben. Ausnahme: Führen Sie ein Depot bei einem ausländischen Broker, müssen Sie die Kapitalerträge selbst im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung für Anlagen.

    8. Fazit

    Vor jeder Transaktion sollten folgende Fragen beantwortet sein: Warum wird ein Wertpapier gekauft bzw. verkauft? Was geschieht im Fall eines Verkaufs mit dem Verkaufserlös? Welche Kosten fallen für die Transaktion an und welche Besteuerungseffekte sind zu berücksichtigen? Passt die Transaktion die langfristige Strategie?

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