Depotübertrag mit Prämie: Zinsen, iPADs, Orderguthaben und mehr

Die aktuellen Neukundenaktionen und ihre Bedingungen

Broker lassen sich die Gewinnung neuer Kunden Geld kosten: Für einen Depotübertrag und/oder die aktive Nutzung eines neuen Depots sind bei diversen Anbietern üppige Prämien aufgerufen. Wählen Sie zwischen quersubventionierten Zinsen für Tagesgeld, Tablet-PCs, hunderten Euro Orderguthaben und weiteren Prämien.

  • Broker investieren 500 € und mehr in Neukunden
  • Der Wert der Prämie hängt vom Deckungsbeitrag ab, den der neue Kunde einbringt
  • Der Deckungsbeitrag richtet sich nach übertragenem Bestand und getätigten Orders
  • Eine hohe Prämie allein qualifiziert einen Broker nicht
  • Die Angebotsbedingungen müssen im Detail betrachtet werden
Inhaltsverzeichnis

    1. Typische Struktur von Neukundenangeboten

    Ein Depotübertrag mit Prämie ist immer an Bedingungen geknüpft, solange die Prämie einen substantiellen Mehrwert bietet. Wenn Banken Neukunden für die Eröffnung eines Girokontos 100 € Startguthaben gutschreiben, wird dafür in der Regel die Nutzung des Kontos als Gehaltskonto für zumindest einige Monate verlangt. Ähnlich verhält es sich bei Neukundenangeboten im Wertpapiergeschäft.

    Ein typisches Muster: die Prämie wird nur gewährt, wenn innerhalb eines festgelegten Zeitraums eine bestimmte Anzahl Transaktionen durchgeführt wird. Dabei gelten häufig nicht alle Transaktionen als abrechnungsfähig. Ebenso kann die Einräumung eines sehr hohen und damit quersubventionierten Zinssatzes Anforderungen an die Handelsaktivität oder den Abschluss eines Depotübertrags vorsehen.

    Je wertvoller die Prämie, desto höher sind in aller Regel auch die Hürden der Angebotsbedingungen. Sehr niedrig werden diese zum Beispiel bei der Einräumung von so bezeichnetem „Orderguthaben“ (je nach Anbieter z. B. auch „Trading-Guthaben“) angesetzt. Dieses kann lediglich mit tatsächlich anfallenden Transaktionskosten verrechnet werden und stellt aus Sicht des Brokers nicht die Gefahr eines Mitnahmeeffekts dar. Orderguthaben mit befristeter Gültigkeit unterscheidet sich nicht substantiell von einem Einführungszeitraum mit rabattierten Ordergebühren.

    2. Wie Broker Neukundenangebote kalkulieren

    Die Struktur eines Neukundenangebots kann Hinweise auf die präferierte Zielgruppe eines Brokers geben. Hohe Zinsen für Tagesgeld und/oder Festgeld finden sich zumeist bei Brokern mit einer gemischten Kundenstruktur. Wird dagegen eine relativ hohe Anzahl von Transaktionen verlangt, setzt der Broker auf die Gewinnung von besonders aktiven Kunden, die im Wertpapiergeschäft mit seiner stark degressiven Kostenstruktur das „Zünglein an der Waage“ sind.

    Broker kalkulieren Neukundenangebote im Hinblick auf mehrere Effekte. Zum einen soll die Anzahl der Kunden gesteigert werden. Zum andern soll nicht nur die Kundenzahl, sondern auch der Umsatz im Wertpapiergeschäft wachsen. Und schließlich müssen die Kosten der Neukundenaktion inklusive der durch Mitnahmeeffekte entstehenden Ausgaben kalkuliert werden.

    Ein Beispiel: Lobt ein Broker eine Sachprämie im Wert von 400 € aus und werden dafür 50 Transaktionen mit einer Mindestordergebühr in Höhe von 10 € vorausgesetzt, wird der durch den neu gewonnenen Kunden generierte Deckungsbeitrag die Kosten für die Prämie übersteigen. Bestimmte Transaktionen, etwa solche ohne Ordergebühren außerbörslichen Handel, werden bei solchen Aktionen häufig ausgeklammert.

    Nachfolgend werden einige aktuelle Beispiele aufgeführt, bei denen Broker einen Depotübertrag mit Prämie bewerben. Die Aufzählung ist nicht vollständig und wurde im Februar 2016 erstellt.

    3. Depotübertrag mit Prämie bei der Consorsbank: 3,5 % Zinsen

    Die Consorsbank – eine Marke der deutschen Zweigniederlassung der französischen Großbank BNP Paribas – räumt Neukunden beim so bezeichneten „vollständigen Depotwechsel“ insgesamt 3 % Zinsen für Tagesgeld bis 20.000 € ein. Der Zinssatz wird zwölf Monate lang garantiert. Insgesamt erhalten Anleger bei vollständiger Ausschöpfung des Angebots somit 600 € Zinsen, was im Vergleich zu konventionellen Tagesgeldkonten einem Mehrertrag in Höhe von ca. 400 € vor Steuern entspricht.

    Bedingung für die Einräumung des Zinssatzes ist der Übertrag von Wertpapieren im Marktwert von mindestens 6.000 €. Das übertragene Wertpapiervolumen muss bis zum Ende der Sonderverzinsung gehalten werden. Zudem müssen Aktionsteilnehmer das Wertpapierdepot bei einer Fremdbank durch eine entsprechende Angabe auf dem Depoteinzugsformular der Consorsbank kündigen (Depot übertragen). Unterbleibt die Kündigung, reduziert sich der Sonderzins auf 2 %.

    Nur mit der Zusatzbedingung der vollständigen Kündigung des alten Aktiendepots kann der Broker Mitnahmeeffekte auf ein Minimum reduzieren. Schließlich könnten Aktionsteilnehmer einen Teil der Wertpapiere eines anderen Depots für ein Jahr übertragen und so die Sonderverzinsung mitnehmen, ohne sich von ihrem bisherigen Broker zu trennen. „Depot-Hopping“ ist bei Brokern unerwünscht.

    Depotübertrag mit Prämie

    Consorsbank Depotübertrag mit 3,0 % Zinsen für Tagesgeld

    4. DAB Bank: 3,5 % Zinsen

    Die DAB Bank – ebenfalls eine Marke der BNP Paribas – wirbt mit einem quersubventionierten Tagesgeldkonto. Aufgerufen sind 3,5 % Zinsen für Guthabenanteile bis 20.000 € mit zwei Kalenderquartalen Zinsgarantie. Das Angebot setzt den Aufbau oder Übertrag von Depotwerten ab 5.000 € bis zu einem festgelegten Stichtag voraus. Der Sonderzins reduziert sich auf 2,5 %, wenn die vollständige Löschung des bisherigen Aktiendepots unterbleibt. Das Angebot sieht darüber hinaus 20 Free-Trades in einem recht schmal angelegten Katalog von Wertpapieren vor.

    5. Targobank: Bis zu 1.500 € Gutschrift

    Die Targobank räumt Neukunden und Neu-Depotkunden bei einem Depotübertrag Prämien in Höhe von 0,75 % des übertragenen Marktvolumens ein. Es müssen Wertpapiere im Wert von mindestens 7.000 € übertragen und zwölf Monate bei der Targobank gehalten werden. Die Prämie wird als Gutschrift auf dem Verrechnungskonto gewährt und bemisst sich nach dem Marktwert am Tag der Einbuchung der Wertpapiere. Die Prämie wird deutlich vor Ablauf der zwölf Monate gutgeschrieben, kann aber zurückgefordert werden, wenn Wertpapiere veräußert und nicht lediglich umgeschichtet werden.

    6. maxblue: Gutschrift

    Die Deutsche Bank-Marke maxblue räumt Neu- und Bestandskunden für den Übertrag von Wertpapieren von einer Fremdbank eine Gutschrift in Höhe von 0,5 % des übertragenen Marktwertes, maximal jedoch 2.500 € pro Person ein. Bedingung ist ein Mindestübertragswert in Höhe von 5.000 €. Auch Einzahlungen von Kontoguthaben können prämienberechtigt sein, wenn innerhalb von vier Wochen nach der Gutschrift damit Wertpapiere erworben werden.

    Maxblue-depotübertrag-Prämie

    Depotübertrag mit 0,5 % Prämie bei maxblue

    7. s-broker: Orderguthaben

    Das Sparkassen-Unternehmen s-broker wirbt mit einem Orderguthaben in Höhe von 300 €, das mit Transaktionskosten verrechnet werden kann. Das Orderguthaben wird bei Transaktionen auf die Orderprovision angerechnet, nicht jedoch auf die Gebührenbestandteile Handelsplatzentgelt und Abwicklungsentgelt. Das Orderguthaben kann nicht für den Handel mit Fonds über die Fondsgesellschaften, für Spar- und Auszahlungspläne sowie den Handel mit Differenzkontrakten (CFDs) eingesetzt werden.

    8. OnVista-Bank: Apple iPAD

    Die OnVista Bank stellt Neukunden ein Apple iPad mit Wifi und 16 GB Speicher in Aussicht, wenn bis zum Ende des übernächsten auf die Kontoeröffnung folgen Kalendermonats mindestens 50 Wertpapiertransaktionen durchgeführt werden. Der Broker wertet auch Transaktionen, bei denen gebührenfreie FreeBuys eingesetzt werden. Ansonsten muss das Mindestordervolumen 1.000 € betragen. Nicht gewertet werden Orders an Auslandsbörsen sowie Aufträge im außerbörslichen Handel, sofern diese im Rahmen von Sonderpreisaktionen mit Emittenten oder Börsenplätzen stattfinden.

    OnVista-Bank-iPAD

    OnVista-Bank wirbt im Neukundengeschäft mit Apple iPAD

    9. Fazit: Eine hohe Prämie beim falschen Broker ist ein Eigentor

    Dass sehr viele Broker mit einem Depotübertrag mit Prämie werben, relativiert den Seltenheitsfaktor der Angebote ohnehin. Dennoch sollten Anleger darauf achten, Ihre Entscheidung nicht primär von Zinsen, Prämien und anderen Vergünstigungen abhängig zu machen. Entscheidend sind die langfristigen Kosten für die persönlichen Handelsziele. Eine vermeintlich großzügige Prämie im Wert von 400 € wird zum Eigentor, wenn die jährlichen Transaktionskosten durch die Wahl des falschen Brokers um einige hundert Euro höher liegen als notwendig.

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