Zertifikate: Zusammensetzung und Einsatzmöglichkeiten der wichtigsten Typen

Wie Banken Zertifikate strukturieren und Anleger sie einsetzen können

Zertifikate eignen sich für jede Marktlage und ganz unterschiedliche Zielsetzungen. Die Marktsituation entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Neuemissionen aufgelegt werden. Dieser Ratgeber erläutert die Funktionsweise und Zusammensetzung der wichtigsten Zertifikate-Typen.

Was sind Zertifikate?

  • Jedes Zertifikat wird durch Emittenten aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt
  • Aus der Zusammensetzung wird ersichtlich, ob der Zeitpunkt für Neuemissionen gut oder schlecht ist
  • Richtig eingesetzt, können Zertifikate in jeder Marktlage Gewinne erzielen
  • Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen und damit einem Risiko ausgesetzt
  • Einige Zertifikate-Themen werden mittlerweile durch ETFs und ETCs abgebildet

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Inhaltsverzeichnis

    1. Indexzertifikate

    Indexzertifikate bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Indizes ab. Dabei kann es sich um große Leitindizes wie DAX, Dow Jones, EuroStoxx50 etc. oder aber um spezielle Indices mit thematischen Schwerpunkten, Branchenindices usw. handeln. Wird ein Index fortlaufend berechnet, kann er prinzipiell auch über Zertifikate abgebildet werden.

    Zertifikate können die regelmäßige Ausschüttung von Erträgen (zum Beispiel Dividenden) vorsehen, diese aber auch thesaurieren. Letztere werden häufig auch als Trackingzertifikate bezeichnet. Mit sogenannten Basketzertifikaten wird ein Korb von mehreren Wertpapieren abgebildet, deren Anzahl aber nicht die von Branchen- oder Sektorenindizes erreicht. Die Marktsituation spielt aus Sicht des Emittenten für die Strukturierung von Indexzertifikaten nahezu keine Rolle.

    Der größte Vorteil von Indexzertifikaten: Anleger können sehr kompliziert und mit einem einzigen Wertpapier in breit diversifiziert Indizes investieren. Die Kosten sind überschaubar: Bei Zertifikaten auf große Leitindices fällt in der Regel kein Ausgabeaufschlag an (bester Broker für Zertifikate). Auch die jährlichen Kosten liegen sehr viel niedriger als bei aktiv verwalteten Investmentfonds, bei denen Anleger ein Management vergüten müssen.

    2. Discountzertifikate

    Discountzertifikate ermöglichen Anlegern den Kauf eines Wertpapiers mit einem Abschlag zum aktuellen Marktpreis. Im Gegenzug verzichten Inhaber des Zertifikates auf Kursgewinne im Basiswert, die über ein festgelegtes Cap hinausgehen. Ein Beispiel: der DAX notiert bei 10.000 Punkten. Ein Discountzertifikat ermöglicht den Einstieg mit einem Abschlag in Höhe von 10 %. Gleichzeitig ist der maximale Kursgewinn auf 1.000 Punkte begrenzt.

    Die Konstruktion eines Discountzertifikates entspricht Covered Call Writing Strategie. Dabei wird eine Longposition im Basiswert mit einer Shortposition in einer Call Option auf den Basiswert kombiniert. Der Ausübungspreis der Call Option entspricht dem Cap des Discountzertifikates. Der Discount auf den Marktpreis entspricht der Optionsprämie, die mit der Veräußerung der Call Option erlöst wurde. Löst der Inhaber der Option diese ein, erfolgt die Übergabe des Basiswertes zum Ausübungspreis, so dass Gewinne darüber hinaus nicht vereinnahmt werden können.

    Die Attraktivität neu emittierter Discountzertifikate hängt maßgeblich von der Marktvolatilität zum Zeitpunkt der Emission ab. Je höher die Marktvolatilität, desto höher fällt die Optionsprämie aus, die mit dem Verkauf der Call Option erlöst werden kann. Darüber hinaus spielen die Laufzeit des Zertifikates und die Dividendenausschüttungen des Basiswertes eine Rolle.

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    Verlauf eines Discountzertifikates

    3. Bonuszertifikate

    Die entscheidenden Merkmale von Bonuszertifikaten sind der Bonuslevel und die Sicherheitsbarrieren. Ein Beispiel: Der DAX notiert bei 8.000 Punkten. Es wird eine Sicherheitsbarriere von 6.000 Punkten und ein Bonuslevel von 16.000 Punkten festgelegt. Notiert der DAX während der gesamten Laufzeit des Zertifikates zu keinem Zeitpunkt bei exakt 8.000 Punkten oder darunter, erhält der Inhaber des Zertifikates bei Fälligkeit mindestens den Bonuslevel, d.h. 16.000 Punkte.

    Notiert der Dachs oberhalb von 16.000 Punkten, wird der Indexstand ausgezahlt. Das bedeutet, dass mit dem Bonuszertifikat bei Kursen zwischen 8.000 und 16.000 Punkten ein höherer Kursgewinn erzielt wird als mit einem Direktinvestment in den Basiswert, während der Kursgewinn bei Notierungen oberhalb von 16.000 Punkten dem eines Direktinvestments entspricht.

    Verletzt der DAX allerdings ein einziges Mal während der Laufzeit die Sicherheitsbarriere von 8.000 Punkten, erlischt der Bonusmechanismus. Ab dem Moment, in dem die Sicherheitsbarriere verletzt wird, handelt es sich um ein gewöhnliches Indexzertifikat, das bei Fälligkeit zum Marktpreis abgerechnet wird.

    Bonuszertifikate werden durch Emittenten zumeist aus zwei verschiedenen Optionen zusammengesetzt. Zum einen ein Zero Strike Call: Dabei handelt es sich um eine Call Option auf den Basiswert mit dem Basispreis null, die einem Direktinvestment in den Basiswert selbst nahekommt, aber Dividenden ausklammert. Zum anderen wird ein Down-and-out-Put gekauft. Dabei handelt es sich um eine Put-Option mit einer zusätzlichen Knock-out Schwelle. Die Knock-out Schwelle entspricht der Sicherheitsbarriere, der Basispreis der Option dem Bonuslevel.

    Eine hohe Marktvolatilität und hohe Dividendenzahlungen im Basiswert begünstigen grundsätzlich die optische Attraktivität von Bonuszertifikaten. Allerdings ist Kontakt mit den Sicherheitsbarrieren in einem volatilen Marktumfeld recht wahrscheinlich. Bonuszertifikate eignen sich für Anleger, die von stagnierenden, leicht fallenden oder moderat steigenden Kursnotierungen ausgehen.

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    Verlauf von Bonuszertifikaten

    4. Garantiezertifikate

    Was sind Zertifikate mit Kapitalschutz? Mit einem Garantiezertifikat partizipieren Anleger an der Kursentwicklung eines Basiswertes, erhalten aber unabhängig von der Kursentwicklung am Laufzeitende mindestens den Nennwert des Zertifikates wieder zurück. Wie das Zertifikat zum Nennwert oder darunter gekauft, bestehen somit keine Verlustrisiken.

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    Stammdaten eines Garantiezertifikates auf de EuroStoxx50

    Garantiezertifikate sind mit einem bestimmten Partizipationsfaktor versehen. Beträgt dieser z. B.  100 %, werden Kurssteigerungen im Basiswert zum Laufzeitende zu 100 % dem Nennwert zugeschlagen. Steigt der Kurs des Basiswertes zum Beispiel um 30 %, erfolgt die Rückzahlung des Zertifikates zu 130 % des Nennwerts. Fällt der Basiswert dagegen um 20 %, erhalten Anleger 100 % des Nennwertes zurück.

    Garantiezertifikate werden durch Emittenten durch eine Aufteilung des Anlagebetrages auf festverzinsliche Wertpapiere und Optionen realisiert. Die festverzinslichen Wertpapiere garantieren zum Laufzeitende den Nennbetrag, die Partizipationsrate resultiert aus den Optionen. Je höher das Zinsniveau, desto weniger festverzinsliche Wertpapiere müssen zur Absicherung des Nennbetrages erworben werden, so dass mehr Geld für den Kauf von Optionen zur Verfügung steht. Deren Preis wiederum richtet sich nach der Marktvolatilität. Das optimale Marktumfeld für Garantiezertifikate besteht demnach aus hohen Zinsen und niedriger Marktvolatilität.

    Anleger sollten die Opportunitätskosten ihres Investments berücksichtigen: Die meisten Garantiezertifikate werden im aktuellen Niedrigzinsumfeld mit sehr langen Laufzeiten ausgestattet, so dass jedenfalls für einen Zeitraum von sechs bis zehn Jahren ganz auf eine garantierte Verzinsung verzichtet wird.

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    5. Hebelzertifikate

    Hebelzertifikate eignen sich zur Absicherung eines Portfolios und zu Spekulationszwecken. Letztere stehen für die meisten Anleger im Vordergrund, da die Hebelwirkung eine überproportionale Partizipation an Marktbewegungen ermöglicht.

    Ein Beispiel für die Konstruktion: Der DAX notiert bei 10.000 Punkten. Ein Hebelzertifikat sei mit einem Basispreis von 9.800 Punkten ausgestattet. Der Basispreis entspricht zugleich der Knock-out und Finanzierungsschwelle des Zertifikates. Ein Bezugsverhältnis von 1:1 vorausgesetzt, erfolgt der Erwerb des Zertifikats mit einem Kapitaleinsatz in Höhe von 200 €. Steigt der DAX daraufhin um 2 % auf 10.200 €, notiert das Zertifikat bei 400 €. Das entspricht einem Zuwachs um 100 % bei einer Marktbewegung um 2 %. Der 50fache Hebel resultiert aus dem auf 2 % verringerten Eigenkapitalanteil des Zertifikats.

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    Stammdaten eines Hebelzertifikats

    6. Rollierende Zertifikate

    Vor allem Zertifikate mit Basiswerten aus dem Rohstoffsegment basieren häufig auf Terminkontrakten. Soll das Zertifikat nicht zeitgleich mit dem Terminkontrakt auslaufen, sind regelmäßige Rollvorgänge erforderlich. Bei einem Rollvorgang wird zumeist einige Tage oder Wochen vor Fälligkeit des zugrunde liegenden Terminkontraktes die Investition in den nächstfälligen Terminkontrakt umgeschichtet.

    Dabei entstehen hohe Kosten, die positiv oder negativ sein können. Liegt am Terminmarkt eine normale Situation (Contango) vor, liegt der Preis der weiter in der Zukunft fälligen Terminkontrakte höher als der aktuelle Marktpreis. Dann fallen positive Rollkosten an: Anleger verlieren durch den Rollvorgang Geld. In der umgekehrten Situation (Backwardation) verläuft die Terminpreiskurve fallend, so dass die Rollkosten negativ sind und Anleger durch die Rollvorgänge Gewinne erzielen.

    7. Quanto-Zertifikate

    Bezieht sich in Zertifikat auf Basiswerte in fremden Währungsräumen, lässt sich das allgemeine Marktpreisrisiko vom Wechselkursrisiko durch Quanto-Mechanismen trennen. Bei Quanto-Mechanismen erfolgt die Abrechnung des Zertifikates zu einem fixen Wechselkurs von 1:1. Es bedeutet, dass Anleger ausschließlich an der Kursentwicklung des Basiswertes und nicht an der Entwicklung des Wechselkurses (die günstig oder ungünstig wirken kann) partizipieren.

    8. Emittentenrisiko und Alternativen

    Was sind Zertifikate in juristischer Hinsicht? Rechtlich handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Kann dieser seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen (wie etwa im Fall von Lehman Brothers), müssen Anleger mit Verlusten rechnen bzw. auf eine Entschädigung aus der Insolvenzmasse hoffen. Zertifikate fallen nicht unter die Einlagensicherung.

    Für einen Teil der potentiellen auf Zertifikate anwendbaren Anlagen gibt es Alternativen. Indexzertifikate etwa lassen sich durch Indexfonds abbilden. Einzelne börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bilden mittlerweile auch Discount-Strukturen ab. Investitionen in Rohstoffe sind über ETCs möglich: Dabei handelt es sich um besicherte Anleihen mit einem stark begrenzten Emittentenrisiko.

    9. Bei flatex Zertifikate an der Börse zum Nulltarif handeln

    An der Bayerischen Börse gibt es seit 2015 mit gettex einen exklusiven Börsenplatz ohne Maklercourtage und Börsenentgelt. flatex-Kunden können seit Juli 2016 auch Zertifikate über gettex handeln. Bekanntlich findet der Zertifikate-Handel zu großen Teil im außerbörslichen Direkthandel statt. Über gettex können Zertifikate an einer Börse gehandelt werden.

    flatex kombiniert aus dem außerbörslichen Bereich den gebührenfreien Handel ohne Entgelte mit den Vorteilen einer Börse. Die Vorteile des Handels über gettex sind absolute Transparenz, enge Spreads sowie eine unabhängige Handelsüberwachung. Von Bedeutung im Zertifikate-Handel sind einheitliche, börsliche Regularien, was die Behandlung von Mistrades einschließt.

    Flatex-Kunden können auf gettex mehrere Tausend Zertifikate von HypoVereinsbank onemarkets handeln. HypoVereinsbank onemarkets agiert dabei als Market Maker und Emittent in einem, was für eine schnelle Ausführungen ohne Umweg über einen Spezialisten bzw. Broker-Partner sorgt. Im Rahmen einer aktuellen Aktion gelten 0,- Euro Transaktionskosten bei einem Ordervolumen von mindestens 1.000,- Euro (Aktionszeitraum 01.08.2016 bis 31.10.2016).

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    Außerbörslich bei Premiumpartnern: „0,- Euro Handel“

    Bei 11 Premiumpartnern können flatex-Kunden über 600.000 Produkte wie Optionsscheine und Zertifikate sowie fast 2.000 Fonds für 0 Euro außerbörslich handeln. Die Orderkosten übernehmen die jeweiligen Emittenten. Zu den namhaften Emittenten gehören Morgan Stanley, Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und HSBC. Beim gebührenfreien Direkthandel ist im Schnitt eine Anlagesumme von 1.000 Stück oder 1.500 Euro erforderlich. Bei Morgan Stanley reicht ein Ordervolumen von 500 Euro für den „0,- Euro Handel“ von Mini Futures, Turbo- und Faktorzertifikaten aus.

    10. Fazit

    Zertifikate bilden ihren Basiswert entweder 1:1 ab oder sind mit einer derivativen Struktur ausgestattet. Letztere ermöglicht z. B. die gezielte Reduzierung von Risiken oder zusätzliche Erträge im Vergleich zu einem Direktinvestment in den Basiswert. Rechtlich handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen mit Emittentenrisiko.

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