Binäre Optionen Strategie mit Bollinger Bändern: Funktionsweise, Handelssignale, Stärken und Schwächen

Das 95 % Prinzip der doppelten Standardabweichung

Wie funktionieren Finanzwetten?

Wer nach einer Binäre Optionen Strategie mit Bollinger Bändern sucht, stößt nicht nur bei YouTube ganz besonders häufig auf Bollinger Bänder. Wie funktionieren Bollinger Bands? Welche Strategien lassen sich damit umsetzen? In welchen Märkten eignet sich der Indikator? Diese und weitere Fragen zu Bollinger Bändern werden hier beantwortet.

  • Das mittlere Band ist ein gleitender Durchschnitt
  • Das obere und das untere Band sind jeweils zwei Standardabweichungen vom mittleren Band entfernt
  • 95 % der Kurse liegen zwischen oberen und unterem Band
  • Die Distanz zwischen oberem und unterem Band verändert sich mit der Marktvolatilität
  • In starken Trendphasen notiert der Markt sehr nahe am oberen oder unteren Band
  • Antizyklische Positionen sind beim Übergang der Bänder von Expansions- in Kontraktionsphasen sinnvoll
Inhaltsverzeichnis
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    1. Prinzip und Berechnung von Bollinger Bändern

    Um das Prinzip Hinter Bollinger Bändern zu verstehen, soll zunächst ein einfacher gleitender Durchschnitt betrachtet werden. Übersteigt der Markt seinen Durchschnitt von unten nach oben, gilt dies in der technischen Analyse meistens als Kaufsignal.

    Gleitende Durchschnitte werden mitunter mit Prozentbändern kombiniert. Ein 2 % Band etwa besteht aus zwei Linien: Eine verläuft 2 % über dem Durchschnitt, eine 2 % darunter. Nähert sich der Markt dem oberen Band, könnte dies als Hinweis auf eine bald bevorstehende Korrektur nach unten gewertet werden.

    Prozentbänder sind allerdings naturgemäß statisch. Eine Marktbewegung um 2 % kann in einem ruhigen Markt einen bemerkenswerten Impuls mit entsprechend großem Korrekturpotenzial darstellen, zugleich in einem volatilen Markt jedoch von untergeordneter Bedeutung sein.

    Bollinger Bänder setzen bei dieser Problemstellung an. Auch hier wird ein gleitender Durchschnitt von zwei Bändern begleitet, von denen eines über und eines unter dem Durchschnitt verläuft. Der Abstand zwischen dem gleitenden Durchschnitt und den Bändern ist allerdings nicht fix, sondern wird über eine doppelte Standardabweichung definiert.

    Was bedeutet das? Es bedeutet erstens, dass die Distanz zwischen dem oberen und dem unteren Band sich vergrößert, wenn die Marktvolatilität zunimmt. Ebenso verringert sich der Abstand zwischen den Bändern bei abnehmender Volatilität. Zweitens führt der Einsatz der doppelten Standardabweichung dazu, dass 95 % der Kurse innerhalb der beiden Bänder notieren.

    Die Berechnung von Bollinger Bändern ist relativ einfach. Das mittlere Band entspricht dem gleitenden Durchschnitt mit der gewählten Periodenlänge. Das obere Band ergibt sich durch die Addition des zweifachen der Standardabweichung über die gewählte Periodenlänge zum mittleren Band. Das untere Band wird dementsprechend durch die Subtraktion des zweifachen der Standardabweichung über die gewählte Periodenlänge ermittelt.

    Bollinger Bänder sind in nahezu jeder Charting Software enthalten. Das Konzept wurde bereits in den 1980er Jahren durch John Bollinger entwickelt und wird seit geraumer Zeit zur Marktanalyse eingesetzt. Im Zusammenhang mit Binären Optionen finden sich Verweise sehr häufig in YouTube Videos, in denen die Bänder als vollständiges Handelssystem dargestellt werden.

    2. Interpretation von Bollinger Bändern

    Wie werden Bollinger Bänder interpretiert? Eine verkürzte, aber in vielen Publikationen immer wieder anzutreffende Interpretation lautet, dass das obere und das untere Band als Kursziel zu verstehen seien. Dementsprechend könnte bei Kursen nahe am oberen Band eine Shortposition, bei Kursen nahen unteren Band eine Longposition eröffnet werden.

    Es ist ausdrücklich davon abzuraten, Bollinger Bänder als einfache Überkauft/Überverkauft Indikatoren zu betrachten. Eine Interpretation ist nur im Kontext des übergeordneten Trends sinnvoll. Wird dieser Kontext nicht berücksichtigt, produzieren Bollinger Bänder notwendigerweise Fehlsignale.

    Der übergeordnete Trend spiegelt sich in Expansions- und Kontraktionsphasen der Bollinger Bänder wider. In der Abbildung unten ist der Indikator in einem Chart des AUD/CAD zu sehen. Es lässt sich deutlich erkennen, dass der Markt in stärkeren Trendphasen für einen längeren Zeitraum am oberen bzw. unteren Band notiert. Wer in einem solchen Szenario antizyklische Positionen eröffnet, handelt zwangsläufig mit Verlust, über dessen Höhe allein die Maßnahmen zur Verlustbegrenzung entscheiden.

    BB AUD CAD Tradingview

    Deutlich zu sehen: Die Bänder durchlaufen Expansions- und Kontraktionsphasen

     Zu betrachten sind deshalb die Entfernung des Marktes von den Bändern, die Entfernung des Marktes vom gleitenden Durchschnitt und der Abstand zwischen den Bändern. Dietmar Rübsamen schreibt dazu in seinem 2004 in 1. Aufl. erschienenen Werk „Technische Kumulationsanalyse“: „In einer Trendphase denen sich die Bänder aus, und der Kurs wird sich beispielsweise in einem intakten Aufwärtstrend immer im Bereich des oberen Bollinger Bands bewegen. Solange die Expansion der Bänder anhält, darf deshalb nicht gegen den der Bewegung zugrunde liegenden Trend gehandelt werden. Antizyklischer Handel ist erst beim Übergang von Expansions- zu Kontraktionsphase sinnvoll. In diesem Fall flachen sich die Bänder wieder ab und beginnen bei einem noch sehr großen Abstand zwischen dem oberen und dem unteren Band eine kurze Zeit abzuflachen und schließlich horizontal zum Kurs zu verlaufen. Nur in dieser Phase ist antizyklische Handel optimal, da die Bänder aufgrund eines reifen Trends nun echte Widerstands- und Unterstützungsfunktionen darstellen.“

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    Die Abbildung unten zeigt einen Chart mit der Entwicklung des Ölmarktes. Wie sich gut erkennen lässt, notiert der Markt insbesondere in starken Phasen nahe am unteren bzw. oberen Band. Links im Chart ist eine stärkere Abwärtstrendphase zu sehen, während der sich der Markt kaum vom unteren Band entfernt. Rechts im Chart ist dagegen ein starker Aufwärtstrend zu sehen, während der der Markt fast durchgängig am oberen Band notiert. In der Mitte findet sich eine längere Konsolidierungsphase, während der antizyklisches Handeln in der Tat vorteilhaft gewesen wäre.

    BB Crude Oil Chart Tradingview

    Deutlich zu sehen: in trendstarken Phasen notiert der Markt nahe an einem Band

     

    3. Bollinger Band Strategie: So kann es gehen

    Wie lässt sich eine Binäre Optionen Strategie mit Bollinger Bändern konkret umsetzen? Zunächst bedarf es einer Erörterung des übergeordneten Trends. In starken Trendphasen sind Bollinger Bänder kaum als alleiniger Indikator geeignet, da der Markt fast durchgängig am oberen bzw. unteren Band notiert. Interessant für die Betrachtung von Bollinger Bändern sind Korrekturphasen. In seitwärts verlaufenden Trends kann Indikator als Oszillator damit als Überkauft- bzw. Überverkauft Indikator betrachtet werden. Auch in Trendphasen lässt sich der Indikator einsetzen: Relevant sind hier die Konsolidierungsphasen innerhalb des Trends. Während einer Konsolidierung unterschreitet der Markt häufig den gleitenden Durchschnitt und somit das mittlere Band. Kommt es nach einem solchen Unterschreiten zur Wiederaufnahme des Trends, kann das Überschreiten des mittleren Bandes als Handelssignal interpretiert werden.

    Die Abbildung unten zeigt einen Chart mit vier Handelssignalen. Diese wurden durch eine Kombination aus Bollinger Bändern und Oszillator ausgelöst. Deutlich sichtbar: Es kommt zu Signalen, wenn die Bänder entweder über einen längeren Zeitraum waagerecht verlaufen sind oder der Übergang von der Expansions- in die Kontraktionsphase erfolgt. Nur dann sind Kurse in der Nähe eines der Bänder möglicherweise überkauft bzw. überverkauft.

    BB Digibyte Tradingview

    Kurse am unteren Band können als Einstiegssignale bewertet werden

     

    4. Schwächen der Strategie

    • Das Intervall mit doppelter Standardabweichung gaukelt Sicherheit vor
    • In trendstarken Phasen verlaufen die Kurse nahe an einem Band

    Bollinger Bänder sind nicht frei von Schwächen. Ein häufiges Missverständnis besteht im Hinblick auf die Tatsache, dass 95 % der Kurse sich innerhalb der Bänder befinden. Das ist ganz allein auf die Verwendung einer doppelten Standardabweichung zur Messung des Abstands zum Durchschnitt zurückzuführen. Die Bänder reagieren dadurch sehr schnell auf Kursveränderungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass einem Kurs oberhalb des oberen Bandes zwangsläufig fallende Kurse folgen müssten. Vielmehr bedeutet es, dass das Band nach einem oberen Ausbruch sehr stark ansteigt und deshalb den nächsten Kurs wieder einschließt.

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    5. Alternative zu Bollinger Bands I: MACD

    Der MACD (Moving Average Convergence Divergence) ist bis zu einem gewissen Grad mit Bollinger Bändern verwandt. Der durch Gerald Appel entwickelte Indikator besteht aus mehreren exponentiell gewichteten gleitenden Durchschnitten. Im Chart sind zwei Linien sichtbar: Eine schnellere MACD Linie und eine langsamere Signallinie.

    Die MACD Linie ist die Differenz zwischen zwei Durchschnitten. In den Standardeinstellungen der meisten Chart-Programme werden diese mit 12 und 26 Tagen Länge berechnet. Für die Signallinie wird gemeinhin ein 9-Perioden-Durchschnitt verwendet. Zu Kauf- bzw. Verkaufssignalen kommt es, wenn sich die beiden Linien überkreuzen. Überkreuzt die schnellere MACD Linie die Signallinie von unten nach oben, handelt es sich um ein Kaufsignal. Kommt es dagegen zu einem Überkreuzen von oben nach unten, liegt ein Verkaufssignal vor. Der MACD oszilliert um eine Nulllinie herum. Dadurch werden zusätzlich Hinweise auf überkaufte bzw. überverkaufte Situationen geliefert.

    Der Abstand des MACD von der Nulllinie gilt als Filter für die durch Überkreuzungen generierten Handelssignale. Besonders relevant sind Kaufsignale demnach, wenn der MACD weit unterhalb der Nulllinie im überverkauften Bereich verweilt.

    6. Alternative zu Bollinger Bands II: Gleitende Durchschnitte

    Gleitende Durchschnitte sind sehr einfache und häufig eingesetzte Indikatoren. Ein einfacher gleitender Durchschnitt misst den durchschnittlichen Schlusskurs der letzten n Perioden. n ist grundsätzlich frei wählbar, bei den Perioden kann es sich um Minuten, Viertelstunden, Stunden, Tage, Wochen Monate etc. handeln.

    Gleitende Durchschnitte funktionieren wie eine Art geglättete Trennlinie. In Aufwärtstrends verläuft der Markt über seinem gleitenden Durchschnitt, in Abwärtstrends darunter. Überkreuzt der Markt seinen gleitenden Durchschnitt von unten nach oben, gilt dies gemeinhin als Kaufsignal.

    In der Abbildung unten ist ein Chart mit zwei gleitenden durchschnitten zu sehen. Diese weisen Periodenlängen von 18 bzw. 48 Handelstagen auf. Gut erkennbar: Der Durchschnitt mit 18 Tagen Länge reagiert sehr viel schneller auf Trendwechsel als der längere Durchschnitt.

    Amarin EMA Tradingview

    Chart mit zwei EMAs

     Der Zusammenhang zwischen der Länge von gleitenden Durchschnitten und ihre Reagibilität auf Marktveränderungen ist zugleich die größte Aufgabe bei der Optimierung von Handelsstrategien. Werden sehr sensitive gleitende Durchschnitte eingesetzt, generieren diese sehr häufig Signale und produzieren eine hohe Trefferquote. Es kommt zu Kaufsignalen, ohne dass der Markt tatsächlich steigt und zu Verkaufssignalen, ohne dass der Trend tatsächlich gebrochen wird.

    Werden sehr lange Durchschnitte verwendet, erzeugen diese erst in einem sehr späten Stadium von Kursbewegungen Handelssignale. Das führt dazu, dass die Eröffnung von Positionen in einem Aufwärtstrend erst erfolgt, wenn die Kurse bereits relativ weit gelaufen sind. Diesen Zielkonflikt zu optimieren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben bei der Entwicklung von Strategien mit gleitenden Durchschnitten.

    7. Alternative zu Bollinger Bands III: Prozentbänder

    Kombinieren Sie einen gleitenden Durchschnitt mit Prozentbändern und Sie erhalten ein mit Bollinger Bändern eng verwandtes Indikatorkonzept. Ein Prozentband wird mit einem festgelegten Abstand zum gleitenden Durchschnitt in den Chart gezeichnet. Vor allem in Seitwärtsphasen gelten Kurse nahe den Prozentbändern als antizyklische Handelssignale.

    8. Bollinger Bands in Verbindung mit weiteren Chartsignalen

    Wie für alle Indikatoren gilt auch für Bollinger Bänder, dass eine isolierte Betrachtung nie so gute Ergebnisse erzielen kann wie die Betrachtung im Kontext weiterer Indizien.

    Widerstand und Unterstützung

    Angenommen, der Markt durchbricht nach Kursen in der Nähe des unteren Bands den gleitenden Durchschnitt. Dann liegt ein Kaufsignal vor. Dieses wird deutlich verstärkt, wenn mit dem Überschreiten des mittleren Bandes auch das Überschreiten eines charttechnisch signifikanten Widerstands einhergeht.

    Andersherum wäre es fahrlässig, das Überschreiten des Mittelbandes als Kaufsignal einzustufen, wenn kurz über dem Band ein signifikanter Widerstand liegt. Die Eröffnung einer Position sollte erst erfolgen, wenn diese überwunden wurde. Scheitert der Markt an einem Widerstand und fällt er danach wieder unter das mittlere Band zurück, verstärkt dies das Verkaufssignal.

    Kursformationen und Trendlinien

    Auch für Kursformationen und Trendlinien gilt, dass das kombinierte Auftreten von charttechnischen Signalen und Bollinger Bänder Signal die Aussagekraft erhöht. In der Abbildung unten ist ein Chart mit dem Kursverlauf des USD/CAD zu sehen. Der Markt notiert zunächst in der Nähe des unteren Bandes, bevor eine Aufwärtstrendbewegung einsetzt. Im Rahmen dieser Aufwärtsbewegung wird eine Abwärtstrendlinie überschritten. Dieses Überschreiten kann als besonders aussagekräftiges Kaufsignal gewertet werden.

    USD CAD Trendlinie BB Tradingview

    Hier wird das Überschreiten von mittlerem Band und Trendlinie als Kaufsignal interpretiert

     

    Genauso verhält es sich mit Kursformationen wie zum Beispiel der Schulter Kopf Schulter Formation. Der Bruch der Nackenlinie ist ein Handelssignal. Geht  dieses mit einem Unterschreiten des mittleren Bandes einher, wird das Handelssignal verstärkt.

    Die Bedeutung der Umsätze

    Die Umsätze sollten die Kursbewegung bestätigen. In einem starken Aufwärtstrend notieren die Kurse in der Nähe des oberen Bandes. Dies sollte mit hohen Umsätzen einhergehen. Kommt es im Rahmen einer Korrektur zu einem Rückgang des Kurses in Richtung des mittleren Bandes, sollten die Umsätze zurückgehen. Nimmt der Trend wieder an Fahrt auf und steigen die Kurse wieder in Richtung des oberen Bandes, sollte es zu einem Anstieg der Umsätze kommen. Trifft dies so zu, bestätigt dies den vorliegenden Trend.

    Fazit

    Bollinger Bänder können für Handelsstrategien eingesetzt werden. Es ist jedoch dringend davon abzuraten, die Bänder ohne weiteren Kontext als Überkauft und Überverkauft Indikator zu betrachten und bei Kursen in der Nähe des oberen Bandes Shortpositionen einzugehen. Das würde dazu führen, dass ausgerechnet in besonders starken Trendphasen gegen den Trend gehandelt wird. Entscheidend für die Bewertung ist auch, ob sich die Bänder in einer Kontraktions- oder einer Expansionsphase befinden.

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